Thessaloniki entdeckt einen bedeutenden Teil seiner Geschichte neu. Mit dem Holocaust Museum of Greece entsteht eine Institution, die an das reiche jüdische Erbe der Stadt und des gesamten Landes erinnert und dessen Bedeutung in die Gegenwart übersetzt. Die Ausstellung des künftigen Museums wird von ATELIER BRÜCKNER entwickelt, die Architektur stammt von Efrat-Kowalsky Architects, Heide & von Beckerath sowie Makridis Associates. Bereits heute zeigt das Projekt seine internationale Bedeutung: Finanziert wird es durch ein breites Bündnis von Unterstützern, darunter die griechische Regierung, die Bundesrepublik Deutschland, die Stavros Niarchos Foundation (SNF) sowie bedeutende private Förderer.
Die Initiative für das Museum geht auf David Saltiel, Präsident der Jüdischen Gemeinde Thessaloniki, und den verstorbenen ehemaligen Bürgermeister Yiannis Boutaris zurück. Die Planungen für das Projekt begannen bereits im Jahr 2013. Die Jüdische Gemeinde Thessaloniki ist nach griechischem Recht Trägerin des Museums und erhielt 2020 das Grundstück für den Neubau. Das Projekt wird international unterstützt: Die griechische Regierung stellt 18 Millionen Euro, die Bundesrepublik Deutschland 10 Millionen Euro, die Stavros Niarchos Foundation (SNF) weitere 10 Millionen Euro und die italienische Tavma Foundation 5 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere Beiträge stammen von Albert Bourla über die Genesis Prize Foundation sowie von der Claims Conference. Zum Gesamtprojekt gehört außerdem die Digitalisierungsinitiative „IOSIPOS“, in deren Rahmen rund 2,5 Millionen Dokumente aller jüdischen Gemeinden Griechenlands katalogisiert und digital erschlossen werden.
Auch architektonisch setzt das Gebäude ein starkes Zeichen im Stadtbild. Es wurde gemeinsam von Efrat-Kowalsky Architects aus Tel Aviv, Heide & von Beckerath aus Berlin sowie Makridis Associates aus Thessaloniki entworfen. Der achteckige Bau nimmt Bezug auf den Turm der Winde auf der Athener Agora. Acht Seiten, acht Himmelsrichtungen: Das Gebäude öffnet sich zur Stadt, zur Geschichte und zur Zukunft. Seine Höhe orientiert sich am Weißen Turm, einem der Wahrzeichen Thessalonikis. Auf dem Dach wird eine Terrasse einen weiten Blick über die Stadt ermöglichen.
Die Ausstellung, gestaltet von ATELIER BRÜCKNER und kuratiert von Andromache Gkazi in Zusammenarbeit mit Alexandra Nikiforidou, gliedert sich in drei Kapitel: Vorher – Während – Danach. Sie thematisiert das jüdische Leben vor seiner Zerstörung, die Verfolgung und Deportation sowie die Folgen, die bis in die Gegenwart reichen. Ziel des Museums ist es deshalb nicht nur, den Blick in die Vergangenheit zu richten, sondern auch die Gegenwart in den Fokus zu rücken. Die Eröffnung ist für 2027 geplant. Realisiert wird der Bau von METKA.
Über Jahrhunderte war Thessaloniki eines der bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Europa. Die sephardische Gemeinde prägte Wirtschaft, Sprache und Alltag der Stadt so nachhaltig, dass Thessaloniki den Beinamen „Jerusalem des Balkans“ erhielt. Diese Welt wurde im 20. Jahrhundert mehrfach erschüttert: zunächst durch den Großen Brand von 1917, der zentrale Zeugnisse jüdischer Geschichte vernichtete, und schließlich durch die deutsche Besatzung und die Deportationen während des Holocaust. Gerade deshalb ist der Standort des neuen Museums von besonderer Bedeutung. Es entsteht am ehemaligen Bahnhof – jenem Ort, von dem aus die Deportationszüge abfuhren und an dem Verfolgung konkrete Gestalt annahm. Darüber hinaus werden auch andere bedeutende jüdische Gemeinden Griechenlands, deren Ursprünge bis in die Antike zurückreichen – insbesondere Ioannina und Volos – im Museum vertreten sein.
Daten
Auftraggeber: Jüdische Gemeinde Thessaloniki
Ausstellungsgestaltung: ATELIER BRÜCKNER
Architektur: EK A Efrat-Kowalsky Architects (Tel Aviv), Heide & von Beckerath (Berlin), Makridis Associates (Thessaloniki)
Kuratorinnen: Andromache Gkazi in Zusammenarbeit mit Alexandra Nikiforidou
Realisierung: METKA
Förderer:
- Griechische Regierung: 18 Mio. Euro
- Bundesrepublik Deutschland: 10 Mio. Euro
- Stavros Niarchos Foundation (SNF): 10 Mio. Euro
- Tavma Foundation (Italien): 5 Mio. Euro
- Albert Bourla über die Genesis Prize Foundation: 1 Mio. US-Dollar
- Conference on Jewish Material Claims Against Germany, unterstützt vom Deutschen Bundesministerium der Finanzen: 1 Mio. Euro
- Jüdische Gemeinde Thessaloniki mit der Überlassung der wertvollen Sammlungen des bestehenden Jüdischen Museums Thessaloniki sowie dem Projekt „IOSIPOS“ im Wert von 4,5 Mio. Euro, das die Digitalisierung von 2,5 Millionen Dokumenten aller jüdischen Gemeinden Griechenlands umfasst.