PRESSEINFORMATION

Das National Center for Civil and Human Rights (NCCHR) in Atlanta hat sich neu erfunden – und am 8. November 2025 wiedereröffnet. Elf Jahre nach seiner Gründung wurde das Gebäude durch den Erweiterungsbau von Perkins & Will um fünfzig Prozent vergrößert. Doch die eigentliche Veränderung liegt im Inneren: Das Haus wird zu einem Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und persönliches Handeln miteinander verbunden sind.

ATELIER BRÜCKNER entwickelte ein Ausstellungskonzept, das Beteiligung als Haltung versteht. Der Entwurf kombiniert die Umgestaltung bestehender Galerien mit neu konzipierten immersiven Erlebnissen. Jede Galerie besitzt ihren eigenen Charakter, jede Emotion ihren Raum. Momente der Empathie wechseln sich mit Zonen der Ruhe und Reflexion ab. Neu eingeführte „Join In“- und „Reflection Zones“ sind fest in den Rundgang integriert – wiederkehrende, klar erkennbare Orte, die zum Mitmachen und Innehalten einladen. Ziel des neuen Designs ist es, Geschichte – auch ihre erschütternden Kapitel – nicht nur zu erzählen, sondern erfahrbar zu machen und daraus Verantwortung wachsen zu lassen.

Ein Schwerpunkt des Umbaus ist die Martin Luther King Jr. Gallery, die Kings Vermächtnis räumlich wie emotional ins Zentrum rückt. Die komplett neue Ausstellung zeigt den Menschen hinter der Ikone. In seinem rekonstruierten Büro klingelt ein Telefon; hebt man den Hörer ab, hört man Originalstimmen seiner Weggefährten, Mentoren und Freunde – Stimmen, die seine Vision weitergetragen haben. Bücher, Fotografien und handschriftliche Notizen geben Einblick in seine Gedankenwelt. Über seinem Schreibtisch erhebt sich aus einem leeren Blatt eine schwebende Wolke aus Seiten, die in den hellen Hauptraum der MLK Collection übergeht, wo originale Dokumente Kings gezeigt werden – eine poetische Metapher für Gedanken, die zu Taten werden. Die neugestaltete Galerie formuliert eine Botschaft: Martin Luther King Jr. war einer von uns – und jeder kann handeln.

Thematischer Kern bleibt der Kampf um Bürgerrechte, doch der Weg durch die Ausstellung ist neu. Die Erzählung folgt jetzt einer klaren, intuitiven Route ohne Umwege oder Ebenenwechsel. In den „Join In“-Zonen erfahren Besucher, wie gesellschaftliches Engagement aussehen kann; die „Reflection Rooms“ bieten Rückzugsorte mit Sesseln und Taschentüchern – stille Räume, in denen sich das Gesehene verarbeiten lässt, besonders für jene, deren Familiengeschichte Teil dieser Erzählung ist.

Die überarbeitete Civil Rights Gallery führt von Segregation und dem Kampf um Gleichberechtigung bis zur Ermordung Martin Luther Kings. Der Rundgang beginnt mit „Why Atlanta“: Leuchtende Stadtszenen zeigen Kirchen, Universitäten und Friseurläden – Keimzellen der Bewegung. Ein Film schlägt die Brücke zur Gegenwart, digitale Postkarten senden Grüße aus dem historischen Atlanta. In der „Lunch Counter Experience“ nehmen Besucher auf originalgetreu nachgebildeten Barhockern Platz – die Sitze beginnen zu vibrieren, während Beleidigungen in den Kopfhörern hallen. Wie die Aktivisten der 1960er erleben sie, was es heißt, standzuhalten.

Grafik, Licht und Medien verbinden die bestehenden und neuen Galerien zu einem stimmigen Raumerlebnis. Die grafische Gestaltung führt die visuelle Identität des Hauses fort – mit verfeinerter Typografie, differenzierter Farbpalette und Kings eigener Handschrift als leuchtendem Motiv in der MLK Gallery.

In den „Join In“-Zonen laden interaktive Stationen dazu ein, Formen des Engagements zu entdecken – etwa eine Jukebox, in der Musik und Bürgerrechtsbewegung ineinanderfließen. Besucher hören Lieder des Widerstands und erfahren, wie Kunst zu Aktivismus wurde. Die „Reflection Zones“ hingegen schaffen Ruhe – begleitet von Zitaten, warmem Licht und gedämpfter Atmosphäre. Das Licht lenkt die Emotion: sanft in Momenten des Nachdenkens, klar und präzise bei der Vermittlung von Information.

Medien sind gezielt in die Architektur eingebettet. Sie vertiefen die Erzählung und schaffen emotionale Übergänge zwischen den Räumen – durch Projektionen, Klänge und filmische Sequenzen, die Geschichte lebendig machen.

Im Dezember 2025 eröffnet das Zentrum die neue Galerie „Broken Promises“ über unerfüllte Versprechen in der Geschichte sozialer Gerechtigkeit – ein Bogen von der Reconstruction Era bis in die Gegenwart. Im Frühjahr 2026 folgt die Family Gallery „The Change Agent Adventure“, in der Kinder spielerisch lernen, was es heißt, ein „Change Agent“ zu sein.

Mit der Erweiterung wächst auch die Wirkung des NCCHR. Das Haus ist kein klassisches Museum mehr, sondern ein Ort der Begegnung, des Lernens und der aktiven Teilhabe. Die räumliche Gestaltung fördert Empathie – und ruft dazu auf, für Menschlichkeit einzustehen.

 

Daten:


Civil Rights Gallery: 250 m²
Martin Luther King Gallery: 110 m²
Family Gallery: 250 m²
Broken Promises: 200 m²
Planungszeitraum: 2023 – 2025

 

Auftraggeber: National Center for Civil and Human Rights, Atlanta, USA
ATELIER BRÜCKNER: Generalplanung, Ausstellungsgestaltung, Szenografie,
Grafikdesign
Medienplanung und -Produktion mit: medienprojekt p2
Lichtplanung mit: Available Light
Inhaltliche Entwicklung: Lord
Architektur: Perkins & Will